Dein Ostfriesland | Wiehnachtstied 2023
2023
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Auf der Insel kamen die Geschenke erst später

Der Stefensdag auf Wangerooge

Schon sehr lange ist es her, als auf Wangerooge das Weihnachtsfest noch etwas anders aussah. Dort war es Tradition, dass am ersten Weihnachtstag keine Geschenke ausgetauscht wurden. Dieser Tag war den Insulanern heilig. Stattdessen fand die Bescherung am darauffolgenden Tag, dem Stefensdag (Stephanstag), statt.

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

Den Kindern wurde erzählt, dass der Heilige Stephanus, gesandt von Christus, auf einem Schimmel durch das Watt ritt, um ihnen Weihnachtsgeschenke, die sogenannten Stefensgöder, zu bringen. Er verweilte im Leuchtturm, bis alle Kinder schliefen. Die braven Kinder wurden von ihm reich beschenkt, während die unartigen Kinder eine Begegnung mit dem Tauende hatten.

Am Abend des ersten Weihnachtstages, nachdem die Kinder ins Bett gegangen waren, bereiteten die Eltern einen Gabenteller auf dem Tisch vor. Am nächsten Morgen schlüpfte der Vater in die Rolle des Stefens und imitierte dessen Ankunft, während die Kinder noch im Bett lagen. Er ahmte das Wiehern eines Pferdes nach, um die Kinder zu erschrecken. Nachdem er sich zurückgezogen hatte, kamen die Kinder herunter, um zu sehen, ob Stefen ihnen Geschenke hinterlassen hatte.

Eine lang vergessene Tradition

Heutzutage ist dieser Brauch nicht mehr üblich. Das liegt vermutlich daran, dass die Kinder auf Wangerooge in Zeiten schneller Kommunikation mitbekommen haben, dass andere Kinder in Ostfriesland ihre Geschenke schon früher erhalten. Dem konnten die Eltern wohl kaum standhalten.

Von Janine Schulze